Samy Deluxe

Wenn man sich in der deutschen Hip Hop Szene umsieht, dann nimmt man überwiegend “Gangster” Musik und den sogenannten “Spaß-Rap” wahr. Die Vertreter von Hip Hop mit echter Substanz scheinen sich rargemacht zu haben. Mit Ausnahme von Samy Deluxe. Der Hamburger hält die Flagge noch immer oben, macht sein Ding und ist sich treu geblieben. Auf die Frage, ob er findet, dass Männlichkeit in unserer Gesellschaft immer noch zu stark ausgeprägt ist, gab es eine überraschende Antwort.

Ich finde, wenn du Männlichkeit oder Weiblichkeit in einem Satz definieren möchtest, bist du wahrscheinlich ein sehr ungebildeter, intoleranter Mensch. Jede Kultur, jede Religion und jedes Geschlecht hat so viele Facetten, sodass man niemals die eine pauschale Antwort finden kann”, so Samy Deluxe in einem Interview mit Krone.at. “Das Problem mit der Männlichkeit in unserer Gesellschaft ist nicht nur das Verfangensein in alten Klischees, sondern eher das Problem, dass sich niemals etwas Anstrebenswertes, Neues gebildet hat. Früher war die Rolle des Mannes ganz klar, heute sind Frauen so weit zu sagen, dass sie nach der Schule nicht gleich direkt ein Baby kriegen wollen. Sie entscheiden sich für Karrieren oder kriegen Karriere und Mutterdasein unter einen Hut. Ich finde, dass Männer dadurch heute sehr verwirrt sind und es an männlichen Vorbildern fehlt, die ehrlich mit Männlichkeit umgehen.”

Im deutschen Hip Hop wimmelt es nur so vor Macho-Gehabe und Wanna-Be-Gangster Attitüden. Samy Deluxe ist einer der Wenigen, die sich diesbezüglich nicht mitreisen lassen und mit ihrer Musik eher Denkanstöße geben und echte Gefühle beschreiben. Doch als Weichei wird er deshalb nicht abgeschrieben, denn Samy genießt immer noch den Respekt seiner Kollegen.

Die Kollegen verstehen was ich mache. Es ist heute aber schon sehr wichtig, was du in erster Instanz rausbringst – das wird wahrgenommen. Viele Leute wollen auch nur mehr über die dummen Klischees reden, deshalb habe ich in vielen Interviews auch nur mehr über Blödsinn geredet, weil mir nur dumme Fragen gestellt wurden. Ich kam also gar nicht richtig zum Kern der Sache. Das nächste Album werde ich also sicher nicht “Männlich 2″ oder “Weiblich” nennen, damit ich klar deklarieren kann, dass es um die Musik und nicht um das Thema geht. Am Ende ist es doch egal, wie ich mein Album nenne – die Lieder müssen geil sein. Viele Leute haben sich aber zu stark am Titel festgeklammert und sich ihre Meinung danach gebildet – so wie jetzt auch bei Jan Delay. Viele sagen ja, es gefällt ihnen nicht, weil er es Rock nennt.

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